17.07.2026
Witzig, absurd und sehr oft überraschend
Theater-AG des HGWT zeigte „Planet B“
Die Theater-AG des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut entführte gemeinsam mit ihren betreuenden Lehrern Stefan Skorski und Ellen Weiss das Publikum auf den sagenumwobenen „Planet B“ – besiedelt von den Nachkommen einer Spezies, die gemeinhin als „Homo Sapiens“ bekannt war und ursprünglich auf einem bedeutungslosen Felsenplaneten namens „Erde“ gelebt hatte. „Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie wohl jemand mit ein bisschen Abstand von außen auf unsere Welt blicken würde – oder was von uns einmal übrigbleiben wird?“, so Skorski bei seiner Begrüßung. Und genau darum geht es in dem Theaterstück „Planet B“ von Yael Ronen und Itai Richter, welches 2023 am Maxim-Gorki-Theater in Berlin uraufgeführt wurde.
Die Frage danach, ob wir eigentlich immer die besten Entscheidungen im Leben treffen, war an diesem Abend omnipräsent. Schließlich haben unsere Entscheidungen manchmal sehr weitreichende Auswirkungen. Diese Herausforderung treibt das Stück „Planet B“ auf die Spitze, denn schlussendlich sind es die Handlungen eines einzelnen Menschen, welche über das Schicksal seiner gesamten Art bestimmen. Doch was war eigentlich passiert? Den Auftakt machen Humanoide, hochentwickelte menschenähnliche Wesen, ihrerseits Nachkommen einer primitiven Spezies namens Homo Sapiens. Nach mehr als 40 Millionen Jahren Evolution haben sie unnütze körperliche Funktionen oder den Trieb nach Fortpflanzung längst hinter sich gelassen. Die Erzählung der Humanoiden beginnt mit einer Rückschau auf das 21. Jahrhundert, wo die Klimakatastrophe bereits zahlreiche Arten zum Aussterben gebracht hat. Die Schäden an Umwelt und Natur sind nicht mehr zu übersehen und so entscheiden die plötzlich auftauchenden Außerirdischen, dass es an der Zeit ist, das „Projekt Erde“ in seiner jetzigen Form abzubrechen. Dies teilen die Humanoiden, gespielt von Nina Schwirzenbeck, Banah Nijem, Rayna Boteva, Paula Richter, Matilda Schachner und Dragos Schitco, der Menschheit auch unverblümt mit. Das von der Menschheit begonnene Massenartensterben soll konsequent weitergeführt werden, dieses Mal jedoch nicht durch den Ausbruch eines großen Vulkans oder durch den Einschlag eines Meteoriten; die Aliens haben etwas ganz anderes mit den Homo Sapiens vor. Sehr zu Erheiterung der umliegenden Galaxien sollen die Menschen in einer Reality-Show, die universumsweit ausgestrahlt wird, gegen andere Arten antreten, um zu entscheiden, wer zu den überlebenden 5% gehören soll.
Per Zufallsentscheid vertritt ein einzelner Mensch, der Versicherungsvertreter Boris Baumann (genial gespielt von Clara Richnow), seine ganze Spezies. Antreten muss er gegen mehrere andere Arten, die per Zufall ausgewählt werden. „Hoffentlich sind keine Schlangen dabei“, fürchtet sich Baumann, „ich hasse Schlangen.“ Dieser Wunsch wird ihm gewährt, denn bei den anderen vertretenen Arten handelt es sich um einen desillusionierten Panda-Bären (Alisha Wasmer), strebsamen und bestens organisierten Ameisen (Yara Vogelbacher und Dragos Schitco), einen schönheitsbesessenen Fuchs, der ein Leben als Instagram-Star führt (Paula Wolf) sowie ein selbstüberzeugtes Krokodil (Rayna Boteva) und eine unter ihrem schlechten Ruf leidende Fledermaus (Banah Nijem). Besonders abgestoßen von der Gattung Mensch jedoch ist das Huhn (gespielt von Nina Schwirzenbeck), welches seine massenhafte Existenz lediglich seinem wohlschmeckenden Fleisch und seiner Fähigkeit zum Eierlegen verdankt.
Mal witzig, mal absurd und sehr oft überraschend nah an der Wirklichkeit inszenierten die Schülerinnen und Schüler der Theater-AG die Science-Fiction-Komödie, welche beim Publikum an vielerlei Stellen für herzhafte Lacher und großen Applaus sorgte. Die Frage, welche Eigenschaft beim intergalaktischen Publikum denn nun von Bedeutung fürs Überleben ist, zieht sich durch die Monologe der einzelnen Tiere. Reicht es aus, süß und niedlich zu sein wie der Panda, oder muss man die richtigen Survival-Instinkte und ein übergroßes Ego haben, wie das Krokodil, welches schließlich schon das Massensterben der Dinosaurier mitgemacht hat? Die Ameisen wiederum berufen sich auf ihren Fleiß und auf ihr Organisationstalent, der Fuchs auf seine Popularität. Die künstlerisch begabe Fledermaus kann mit ihren Ambitionen als Sängerin nicht darüber hinwegtäuschen, dass selbst morbid veranlagte Kreaturen Angst vor dem Sterben haben. Am Ende kehren nur Mensch und Ameisen zurück auf die Erde, doch muss der Vertreter der Homo Sapiens resigniert feststellen, dass die Ameisen in seiner Abwesenheit die Erde von den Menschen als dominierende Spezies geerbt haben. So bleibt ihm nur übrig, auf dem „Planet B“ als Forschungsobjekt einer fremden Spezies ein neues Leben zu beginnen…
Nach dem Schlussapplaus dankten Skorski und Weiss den beteiligten Schauspielerinnen und Schauspielern und verabschiedeten mit der Abiturientin Matilda Schachner auch ein „Urgestein“ der Theater-AG, die schon seit vielen Jahren auf der Bühne des Hochrhein-Gymnasiums gestanden hatte.
Text: Alexander Maus
